Narrative Insights (02): Das Prinzip des Displacement of Action

Wenn die Worte fehlen, und zwar gerade dann, wenn es wichtig ist, dann hat das mit Halbwissen zu tun. Wir wissen schon, dass wir mit besonders gut gewählten Worten viel erreichen können — aber wir wissen nicht genug, um zu verstehen, wie das genau funktioniert (dazu braucht es ein Modell) und welche Handlungsschritte wir in der richtigen Reihenfolge unternehmen können (dazu braucht es eine Strategie), um aus der Blockade herauszukommen. Die Narrative Insights erklären die wichtigsten Grundprinzipien und Mechanismen hinter der Wirkung von Storytelling und schlagen praktische Schritte für verschiedene Einsatzmöglichkeiten vor: für Texte, Mediennutzung und freie Rede.

Unten auf dem Rasen läuft das Fußballspiel. Tor! Der Schiedsrichter pfeift, Fangesänge ertönen zu Trommelschlägen. Es ist das Weltmeisterschafts-Endspiel zwischen Deutschland und Italien 2006 in Berlin. All das bekomme ich nicht direkt mit, weil ich nicht dabei bin. Wir stehen in einem Pub in Virginia Highlands, einem Viertel in Atlanta (Georgia, Südstaaten der USA), wo sich die wenigen Fußballfans versammelt haben. Diese Szene gäbe es nicht, wenn wir Menschen nicht die Fähigkeit zum Storytelling entwickelt hätten: Über Ereignisse zu berichten, die raum- und zeitversetzt stattfinden.

Ich bin mit Edgar da, meinem Mann. Da er aus Kolumbien ist, gucken wir die Spiele im Fernsehen oft auf Spanisch und ich bin immer wieder fasziniert von den Kommentatoren, die bei einem Tor so lange „Goooooooooooooooool“ rufen, das mir beim bloßen Zuhören die Puste ausgeht. Von Edgar lerne ich: Auf Spanisch heißt der Kommentator El Narrador.

Der Narrador — der Erzähler: Das macht total Sinn. Denn auch wenn die Fußballkommentatoren nur wenige Meter vom Spiel entfernt in ihrer Kabine sitzen und ihre Worte nur wenige Sekunden nach dem realen Ereignis über Radio und Fernsehen unser Ohr erreichen: Es handelt sich um orts- und zeitversetztes Berichten.

  • Spiel auf dem Platz: Reales Ereignis.

  • Der Schiedsrichter gibt Anweisungen: Sprache.

  • Der Fußballkommentator berichtet: Storytelling.

Lass uns dieses essentiellste aller Grundprinzipien des Storytellings einmal näher beleuchten. Denn wenn du dahinterblickst, erkennst du das versteckte Optimierungspotential in deiner Kommunikation.

Narrative Insights: Deine Spielzug-Analyse

Die Narrative Insights übersetzen die Grundprinzipien des Storytellings (zwar nicht immer in Fußballsprache, aber) in eine Sprache für deinen Alltag, damit du narrative Wirkmechanismen bewusster wahrnehmen und pragmatischer einsetzen kannst. In Teil 01 ging es um die Omnipräsenz von Storys: Narrative starten nie „bei Null“, sie sind immer schon da – in deinem Kopf, in den Köpfen anderer, in Medien, in Organisationen. In diesem zweiten Teil schauen wir uns ein weiteres zentrales Grundprinzip an: Displacement of Action – die Fähigkeit, Handlungen und Ereignisse zeit- und ortsversetzt wiederzugeben. Genau mit dieser Art verschobener Erzählung beginnt Storytelling als menschliche Kommunikationsform.

In diesem Artikel erfährst du, was das Prinzip des Displacement of Action genau bedeutet, warum es für Wissensarbeit und Organisationskommunikation so grundlegend ist – und wie du es in deinem Alltag bewusster wahrnehmen und verantwortungsvoll nutzen kannst.

Rechts auf dem Platz: acción. Links: narración.

Auf Spanisch heißt der Kommentator beim Fußball: El narrador (oder la narradora, noch eher selten). Hier passieren Handlung und Storytelling unmittelbar nebeneinander. Sie können auch um Jahrtausende oder um den halben Globus versetzt passieren. Das Prinzip bleibt dasselbe: Displacement of Action.

Foto: © wikimedia

Was ist eigentlich Storytelling? Unsere natürliche Sprechhandlung — meist läuft sie auf Autopilot

Einerseits: Wir können gar nicht nicht erzählen

In der Schlange beim Einkaufen, beim Kaffeetrinken in der Pause mit Kolleg:innen, Abends in der lockeren Runde mit Nachbarn und Freunden – Leute erzählen ständig, jeder von uns. Wenn Menschen so im Erzählfluss sind, sagen wir zu den frischen Urlaubserlebnissen, dann fühlen sie sich wohl und merken oft gar nicht, wie die Zeit vergeht. Schon mal beobachtet, im Supermarkt?

Storytelling ist seit Jahrmillionen unsere menschliche Sprache, die wir nicht nur einsetzen, wenn wir besonders wirkungsvoll sein wollen, sondern wir verfallen auch jeden Tag viele zig Male in diesen Sprechzustand — gerade dann, wenn wir es uns nicht bewusst vornehmen. In Gedanken tauchen wir dann sogar in die erlebte Szene ein — und unser authentisches, lebendiges Erzählen kann dazu führen, dass auch die Zuhörer ganz mit uns diesen Moment erleben. Wie beim Fußballschauen.

Andererseits:

Wie kann es dann also sein, dass, wenn es offiziell wird und wir aufgefordert werden: „Erzähl das doch mal mit einer Story!“ – plötzlich all das Selbstverständliche nicht mehr greifbar zu sein scheint?

Wann hast du das zuletzt erlebt?

Ich kann mich noch sehr gut an die ersten Tage als Radiopraktikantin erinnern, als ich zum Straßeninterview geschickt wurde — und dann plötzlich stand ich da: eingeschüchtert, in der verregneten Fußgängerzone, mit dem Mikro in der Hand, und die Leute hasteten geschäftigt an mir vorbei, mit geducktem Blick. Jetzt jemanden ansprechen. Das hat sich angefühlt wie eine kalte Dusche. Und genau deshalb erinnere ich mich wohl auch so genau daran. Denn starke Emotionen verankern die Erinnerung an Ereignisse.

Warum fällt es uns so schwer, bewusst zu erzählen, wenn wir es doch unbewusst die ganze Zeit tun?

Wenn ich jetzt nochmal bewusst and die Szene mit dem Mikro zurückdenke, dann fällt mir ein, wie es dann weiterging: Zum Glück gab es einen großen Aufkleber des Senders auf dem Umhänge-Kassettenrecorder, der Vertrauenswürdigkeit signalisierte und Interesse weckte. So blieben einige der Vorbeigehenden stehen und fragten worum es geht. Ich lernte bei diesen ersten Einsätzen etwas: Den Menschen vor Mikro und Kamera geht es auch so. Und ich begann, ihnen zu helfen, die Angst zu überwinden und die richtigen Worte zu finden. Mit der Zeit freute ich mich richtig auf Interviews.

Die abwehrende Reaktion auf Mikro und Kamera ist begründet. Auf der ganz natürlichen Angst vor der öffentlichen Rede. Es braucht Mut, sie zu überwinden. Hätte ich abgebrochen und wäre unverrichteter Dinge zurück in die Redaktion gefahren — dann hätte die Geschichte einen ganz anderen Verlauf nehmen können und ich wäre nicht Fernsehjournalistin geworden und würde heute immer noch Menschen helfen, ihre Story zu erzählen. Straßeninterviews wäre vielleicht zu einem für immer negativ behafteten Begriff in meinem Leben geworden.

Aber zurück zum Storytelling: Wie wir auf den Begriff reagieren hängt mit unserer eigenen Geschichte zusammen, die wir mit diesem Begriff haben. Aufgrund dieser Erfahrungen und zum Beispiel auch aus der Perspektive aus einer bestimmten Fachdisziplin (in einer Marketingagentur wird etwas anderes darunter verstanden als im Dramaturgiestudium) stülpen wir ihm quasi eine Bedeutung über. Wenn wir dann eine Story „erzählen sollen“, mischt sich diese Etikettierung samt der damit verbundenen Gefühle in Bruchteilen von Sekunden ein. Das kann zu diesem Gefühl von der Leere im Kopf führen. Eine einfache Stressreaktion, die sich zu einer größeren Blockade ausweiten kann.

Das versteckte Wissen: Was verbinden wir mit Storytelling?

Da ich das nun weiß, frage ich zu Beginn eines Workshops immer: „Was verbindet ihr mit Storytelling denn so?“ Da wird Einiges von den Teilnehmern zusammengetragen: Von Märchen erzählen über Lieblingsfilme bis zu Gutenachtgeschichten für Kinder und Seemannsgarn. Nach einer Zeit kommt dann auch als unangenehm Empfundenes Storytelling es auf den Tisch: „Das sind doch diese manipulativen Techniken der Vermarkter, Politiker und Verkäufer. Schleimig-arrogantes Profilierungs-Sprech und aufdringliches, billiges Marketinggequatsche.“

Mir ist es wichtig, die eigenen Geschichten der Teilnehmer wahrzunehmen. Denn an dem Verständnis von Begriffen hängen starke innere Narrative, die nicht nur bestimmen, wie wir den Begriff verstehen — sondern auch, wie wir zu ihm stehen. Oft nehmen wir sie nicht bewusst wahr, aber sie bestimmen unser Handeln und unsere Wirkung.

Machen wir uns bewusst, was Storytelling im Kern eigentlich ist: die Nacherzählung von Ereignissen. Und damit die einzigartige menschliche Fähigkeit, komplexere Handlungsabläufe zeit- und ortsversetzt wiederzugeben. Klingt kompliziert? Ist aber essentiell. Denn mit diesem Prinzip können wir bestimmen, was Storytelling nun wirklich eigentlich ist — und was nicht.

Im Folgenden erfährst du, warum es wichtig ist, dieses Prinzip zu kennen, wenn du deine Expertise, Ideen, Angebote und Absichten bewusst und wirkungsvoll kommunizieren willst.

Das Prinzip des Displacement of Action

Das Prinzip des Displacement of Action bezeichnet Storytelling ganz einfach als verschobene Kette von Handlungen und Ereignissen:

  • Was jemand erlebt oder beobachtet hat (das ist auch eine Form von Erleben), das wird wiederholt.

  • In anderer Form, durch Sprache oder ähnliche Ausdrucksformen wie Tanz, Theater oder in Bildern, die aber mit sprachlicher Ausdrucksfähigkeit zusammenhängen.

  • So kann der Inhalt durch Raum und Zeit reisen: Was war wird in ein Jetzt des Erzählens geholt. Das funktioniert auch mit etwas, das gleichzeitig an einem anderen Ort passiert und durch Medien übertragen wird, und mit einer Erzählung über Ereignisse in der Zukunft (durch Projektion).

Was ist ist also das wichtigste Unterscheidungsmerkmal zwischen Storytelling und Nicht-Storytelling? Nicht „blumige Umschreibungen in Metaphern“, nicht „Emotionalität“, „Märchen“ oder „Seemannsgarn“ – sondern die Fähigkeit des versetzten Wiedergebens von Ereignisabläufen als ein dem homo sapiens eingebautes Kommunikationsformat, das seit Jahrmillionen unsere natürlich Art zu denken ist.

Der Medientheoretiker Till Nikolaus von Heiseler hat basierend auf Erkenntnissen der Hirnforschung und Evolutionsbiologie eine Theorie zur Entwicklung der Sprachfähigkeit entwickelt. Seine These:

„Language and the brain are adapted to storytelling.“

Also hängen die Sprachfähigkeit und Storytelling nicht nur eng zusammen, sondern es ist möglich, dass sich die Sprache überhaupt erst entwickelt hat, um dem Bedürfnis des Erzählens (im Unterschied zu einer direkten Kommunikation im Hier und Jetzt) nachzukommen. Den Literaturhinweis und wie du an ein Schaubild zu dieser Theorie kommst, verrate ich dir unter diesem Artikel.

Was ist Storytelling? Eine Arbeitsdefinition

Storytelling ist also eine evolutionär hochrelevante menschliche Funktion: Durch nachträgliches Erzählen können Menschen Erfahrungen teilen, ohne dass alle dabei gewesen sein müssen – ein grandioser Vorteil für Wissensweitergabe, Identitätsbildung, Gemeinschaftsbildung und schließlich das Überleben. Jede Nacherzählung von Ereignissen – auch sachlich, nüchtern – nutzt dieses Prinzip. Wir können also kaum „nicht storytellen“.

Storytelling ist unsere menschliche Stärke: Wer erzählt, gestaltet mit, wie Realität wahrgenommen und eingeordnet wird. Sei es nun im Projektbericht, in der Forschung, im Film, im Meeting oder in einer Rede.

Damit wird EINES auch klar: Storytelling ist nicht per se

  • Fakten vs. Fiktion

  • Trocken vs. Emotion

  • Einhörner, Drachen, Heldenreise

  • Manipulative Verkaufsshow

  • gut oder böse

Das Prinzip ist neutral, eine Fähigkeit und ein Kommunikationsformat. Dazu ein natürliches und überlebenswichtiges.

Entscheidend für unsere Beurteilung ist vielmehr, wie, mit welcher Absicht und mit welchen Folgen Storytelling genutzt wird. Und welche Erfahrungen wir damit haben.

Kurzes Beispiel:

A) Eine manipulative Nutzung wäre eine bewusst einseitige, verzerrte Nacherzählung, zum Beispiel um Ängste zu schüren.

B) Eine verantwortungsvolle Nutzung kann eine transparente Nacherzählung eines Projekts inklusive Unsicherheiten und Lernmomenten sein.

Deswegen liegt es mir so am Herzen Narrative Kompetenzen zu vermitteln. Weil es hilfreich ist, das Format zu verstehen, statt es zu verteufeln oder zu verherrlichen. Denn beides führt zu Halbwissen und hilft nicht weiter, wenn es darauf ankommt.

Was Storytelling IST – in einer klaren Arbeitsdefinition

Ich will dir eine klare Arbeitsdefinition für deine Wissensarbeit mitgeben. Fassen wir also noch einmal zusammen:

Eine Erzählung oder Narration (hier verwenden wir einmal den Fachbegriff) ist:

  • Eine Nacherzählung

  • von miteinander zusammenhängenden Ereignissen und/oder Handlungen

Daraus ergeben sich notwendigerweise weitere Charakteristika:

  • Die Nacherzählung ist zeitversetzt zu den Ereignissen (zum Beispiel bei einer Führung durch eine Ausgrabungsstätte), Ortsversetzung ist auch möglich (wie bei dem Fußballspiel).

  • Anders als das reale Ereignis (ein Jagd, eine Schlacht) hat die Nacherzählung eine subjektive Perspektive (wie bei einer Höhlenmalerei oder der Beschreibung der Schlacht durch den Biografen des Herrschers — wer kennt es nicht aus den „Gallischen Kriegen“ von Julius Cäsar).

  • Es muss eine Absicht hinter der Erzählung stecken (sonst würde sie nicht stattfinden).

Perspektive und Intention sind weitere Storytelling-Prinzipien, auf die ich in folgenden Posts näher eingehe.

Kommen wir zum praktischen Teil.

Wie erkenne ich Storytelling in meinem Alltag?

Nach dem Prinzip, das Storys immer schon da sind (Omnipräsenz, Narrative Insights #01), kannst du gut mit einer Wahrnehmungsübung beginnen, wenn du den Narrativen in deinem Alltag auf die Spur kommen willst.

Erstens: Narrative bei Anderen

Frage dich:

Wo in deiner täglichen Umgebung nehme ich Displacement in der Kommunikation wahr?

Kann ich Displacement und Nicht-Displacement unterscheiden?

Achte auf: Wo befindet sich die erzählende Person in ihrer Vorstellung?

  • Im Hier und Jetzt („Reich mit doch bitte einmal das Salz.“, „Achtung, die Ampel ist rot.“, „Mama, spielst du mit mir Fußball?„)

Oder

  • An einem anderen Ort in Raum und Zeit. („Auf Mallorca, da waren wir auf einem Markt, also …“, „Weißt du noch, als …“, „Ich stelle mir das so vor mit deiner Hochzeitsrede: …“, „Meine Oma war …“)

Meist erkennt man schon an den ersten Worten, worum es sich handelt. Und spätestens, wenn man sich dabei ertappt, dass man in Gedanken „woanders war“.

Zweitens: Deine eigenen Narrative

Wo in deiner eigenen Kommunikation erzählst du zeit- und ortsversetzt Handlungen und Ereignisse nach?

Zum Beispiel

  • Projektstorys und Case Studies aus der Forschung oder der Zusammenarbeit mit Kunden

  • Im Vortrag, als Dozent:in oder in Workshops

  • Beim Klatsch und Tratsch in der Kantinenschlange

  • Als Zusammenfassung am Anfang eines Gesprächs oder Meetings

  • Wenn du Texte schreibst, entweder direkt als Story oder indirekt, zum Beipiel in einem Angebot (damit du es schreiben kannst, musst du in Gedanken in die Vergangenheit und in die Zukunft gehen)

Alles klar? Naja, ganz so einfach ist es nicht. So etwas Komplexes wie Storytelling ist selten schwarz-weiß.

Deswegen arbeite ich mit Narrativitäts-Kriterien, mit denen sich der Narrativitätsfaktor von Texten bestimmen lässt.

Eine Checkliste mit Narrativitätsfaktoren habe ich bis jetzt noch nicht veröffentlicht und nur für meine Workshopteilnehmer. Du kannst sie aber bei mir per E-Mail anfordern.

Da Storytelling, eben weil es dich in andere Welten entführt, sehr wirkungsvoll sein kann, ein Wort zur Ethik.

Bewusster Umgang – vom Misstrauen zur Verantwortung

Ich hoffe, meine Artikelserie der Narrative Insights kann dazu beitragen, dass gute Experten Storytelling weniger verteufeln, sondern aktiv nutzen (für das Gute) und wir stattdessen den Missbrauch anprangern.

Skepsis gegenüber manipulativen Narrativen ist gesund.

Aber: Wenn seriöse Expert:innen sich aus der Erzählung zurückziehen, überlassen sie das Feld den Lautesten, und das sind oft auch die übelmeinenden. Das hängt miteinander zusammen. Denn sie identifizieren sich mit der Heldenfigur.

Die guten Storyteller sehen die Welt aus der Verantwortungsperspektive: Sie nutzen die Fähigkeit zum Storytelling bewusst, um komplexe Expertise verständlich zu machen, Kontext zu geben, Orientierung zu schaffen und eine Verbindung zwischen dem relevanten Wissen und den Menschen.

Mini-Beispiel: Wenn eine Behörde, NGO oder Forschungseinrichtung statt einem trockenen Report, der nur Ergebnisse auflistet, auch eine kleine Projektgeschichte erzählt und dadurch Wirkung und Relevanz sichtbar und nahbar macht.

Jetzt du: Narration in der eigenen Kommunikation bewusst erkennen und einsetzen

Wenn du das Prinzip einmal verstanden hast, kannst du es im Alltag bewusst wahrnehmen und testen.

Ein Beispiel für eine kurze Übungssequenz:

  • Übung 1: Ereignis vs. Erzählung

    • Nimm ein konkretes Ereignis (Meeting, Projektmeilenstein, Kund:innen-Feedback).

    • Schreib in 3 Sätzen: Was ist damals passiert?

    • Schreib in 3 Sätzen: Wie würdest du es heute einer dritten Person erzählen?

    • Beobachte: Was betonst du? Welche Details wählst du aus? Welche Absicht steckt dahinter?

  • Übung 2: Zukunfts-Displacement

    • Skizziere eine „Future Story“: Erzähle aus der Perspektive von „in einem Jahr“, was dein Projekt erreicht haben wird (Future Narrative).

    • Notiere: Wozu erzählst du diese Zukunftsversion? (Zielbild, Motivation, Strategie.)

Displacement of Action als stilles Grundprinzip hinter fast jeder Expertenstory – und als Grundlage, um Verantwortung für deine Narrative zu übernehmen. Also: Wenn du merkst, dass du deine Expertise bisher eher in Berichten als in Nacherzählungen gedacht hast, experimentiere in dieser Woche mit einer kleinen Übung im raum- und zeitversetzten Nacherzählen.

Und jetzt: Viel Erfolg! Auch die Nationalspieler probieren viel aus und üben jeden Tag, also gehe Schritt für Schritt vor.

Wenn du gleich richtig loslegen und dein Storytelling ausrollen möchtest, findest du in diesem Blog weitere Hintergründe, Methoden und praktische Anleitungen, zum Beispiel zu Timeline, Story-Strukturen, StoryPitchy und Methoden des Narrativen Coachings. Unten in der Weiterlesen-Box habe ich weitere Artikel für dich aufgelistet.

Wenn du das nicht allein sortieren möchtest: Buche ein Strategiegespräch bei mir und ich helfe dir beim sortieren, beantworte deine Fragen — oder wir vereinbaren ein Storycoaching in dem wir zusammen deinen Text, Vortrag oder ein Videoscript erarbeiten. Die Termine für das Strategiegespräch gibt es auf der Kontaktseite.

 

Quellen und Tipps zum Vertiefen

Narration, Kognition und Sprache

  • Till Nikolaus von Heiseler: „Language evolved for storytelling in a super-fast evolution“ – In: R. L. C. Cartmill (Hrsg.), Evolution of Language, World Scientific 2014. (Grundthese: Sprache wurde ursprünglich für Narration – also displaced action – selektiert.)

  • T. N. von Heiseler: „How language evolved as a backchannel between two feedback loops“, in: Thinking in Systems (THS) 2015. (Vertiefung der Idee, dass Inhalt dieses „Backchannels“ displaced action ist.)

  • Carlos León: „An Architecture of Narrative Memory“, in: Biologically Inspired Cognitive Architectures 16 (2016), 19–33. (Modell einer narrativen Architektur im Gehirn – mit den Konzepten Time, Causality, Location, Agent.)

  • Manfred Jahn: „Narratology 3.0 – A Guide to the Theory of Narrative“. (Gut zugängliche Einführung in grundlegende narratologische Begriffe.)

  • Für ein PDF mit einem Artikel der NYtimes über die Entwicklung der Sprache aus evolutionsbiologischer Sicht und den Zusammenhang mit Storytelling schreib mir eine Mail an mail@anjatimmermann.de, dann sende ich ihn dir zu.

Storytelling & Narrative in deiner Praxis

  • Anja Timmermann: „Narrative Insights #01: Omnipräsenz“ – Storys sind nie bei Null, sondern immer schon da. Blogpost auf anjatimmermann.de:

  • Anja Timmermann: „Was ist eine Story?“ – Subjektivität, Ereignisfolgen und Absicht im Storybegriff. Blogpost auf anjatimmermann.de:

  • Anja Timmermann: „Timeline-Arbeit als Methode im Narrativen Coaching und Training“ – konkrete Methode, um Ereignisse zu ordnen und in Stories zu übersetzen. Blogpost auf anjatimmermann.de:

  • Anja Timmermann: „Strategisches Storytelling“ – wie Narrative gezielt in Organisationen eingesetzt werden können. Blogpost auf anjatimmermann.de:

 

Die Narrative Insights

Die Narrative Insights sind eine Serie von Artikeln, die die Grundprinzipien des Storytellings in eine Sprache für deinen Expertenalltag übersetzen, damit du sie bewusster wahrnehmen und pragmatischer einsetzen kannst. Denn Storytelling ist beides: unsere natürliche Sprache – und eine der wirkungsvollsten und nachhaltigsten Formen der Kommunikation. Indem wir die essentiellen Grundprinzipien beleuchten und die Mechanismen der Sprache erkennen, endecken wir auch das versteckte Optimierungspotential in unserer Kommunikation. Finde mehr zum Thema in meinem Blog und abonniere den Academy Letter für wöchentliche Insights: anjatimmermann.de/blog

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Narrative Insights (01): Das Prinzip der Omnipräsenz von Stories