Storys bis unters Dach — sie stecken in jedem Unternehmen
Dieser Fund wurde 2022 in Ascoli Piceno bei der Sanierung des Kirchen-Dachstuhls nach den durch das Erdbeben von 2016 verursachten Schäden gemacht. Quelle: ©infobae
Plopp – da fallen Fußbälle aus dem Kirchendach.
Hätte der Pfarrer nicht den Dachstuhl der Kirche reinigen lassen – wer weiß, welche nachfolgenden Generationen sie erst entdeckt hätten: die Fußbälle der Kinder von Ascoli Piceno.
Auch diese Story trug ihre Entdecker weit und eröffnete ihnen ganz neue Möglichkeiten – aber der Schatz lag dieses Mal nicht unter den Füßen, wie im Blogartikel zum Eishandel, dem Frozen Water Trade, sondern hoch oben im Dachstuhl einer Kirche in dem italienischen Dorf Ascoli Piceno. Mit Füßen hat es trotzdem was zu tun.
Ich liebe ja diese kleinen Zeitungsnachrichten, die Menschen um die ganze Welt inspirieren und daraufhin einen weiten Weg gehen. Wie die Zeitungsnachricht von dem über Bord gegangenen Container mit Quietsche-Enten, die den Kinderbuchautor Eric Carle zu einem Klassiker inspirierte.
Wie war das jetzt mit den Fußbällen von Ascoli Piceno?
Ein neuer Pfarrer schwang den Besen: Er ordnete Reinigungsarbeiten der infolge eines Erdbebens 2016 ganz schön verdreckten Kirche an. Da purzelten auf einmal Fußbälle vom Himmel. Es waren ziemlich alte Fußbälle. Unter ihnen war auch das Modell der Fußballweltmeisterschaft in Argentinien 1978.
Das war ziemlich sonderbar, und auch die Einwohner der kleinen Stadt kamen nicht gleich auf die Lösung. Denn auf der malerischen Renaissance-Plaza, die jetzt mit Cafés und Touristen bevölkert ist, ist Fußball spielen verboten.
Hatte jemand die Bälle in der Kirche versteckt?
Nein, es war anders: Generationen von Kindern hatten sie beim Spiel in den Straßen dort versehentlich „abgelegt“. Denn früher einmal, als das Spielen auf der Plaza noch nicht verboten war, gab es eine (zumindest unter den Kindern) stadtbekannte „Challenge“: Wer schaffte den „Schuss bis zur Glocke“? Man schoss mit aller Kraft steil in den Himmel, zu den Sternen, und wer die Glock traf, war ein Held. Oder eine Heldin. Der Verlust des Balls war dabei ein wohl einkalkuliertes Risiko.
Wie reagierte die Stadt auf den Fund?
Die Stadt machte etwas aus dem wunderbaren Fund: Nun gibt es nicht nur ein kleines Fußballmuseum gegenüber der Kirche, sondern die Stadt ordnete offiziell an, dass ab sofort wieder auf dem Platz Fußball gespielt werden darf. Wieder Freundschaften schließen, Abenteuer erleben und groß träumen. Mitten in der Stadt.
Ob auch die alte Glocken-Challenge wieder auflebte und bei einbrechender Dunkelheit wieder Bälle zu den Sternen gescossen werden? Das ist mir nicht bekannt. Das müssen wir wohl selbst herausfinden, wenn wir einmal in Ascoli Piceno vorbeikommen. Aber die eine oder andere Cappucchinotasse ist bestimmt schon zu Bruch gegangen.
Was lernen wir aus dieser Geschichte?
Erstmal: Ich finde sie unglaublich kraftvoll. Und das Städtchen hat vielleicht durch die Bälle ein reales Problem lösen können. In Italien bieten Dörfer inzwischen Menschen viel Geld dafür, dass sie hinziehen und den Ort wiederbeleben. Und hier, so scheint es, hat ein Wunder dafür gesorgt, dass wieder Leben in die Dorfkultur kommt.
Ein bisschen verrückt. Eben neben der Spur des normalen Alltags. Aber genau das macht gute Geschichten aus.
Oft findet man sie unerwartet. Und genau das macht Hoffnung.
Storys sind omnipräsent — sie sind überall. Story-Schätze stecken in jedem Unternehmen, in jedem Projekt, in jeder Expertise.
Was du aus dieser Story für dein Business mitnehmen kannst
Hast du auch schon mal eine inspirierende Business-Story gelesen und dann gedacht: Aber in unserem Unternehmen (oder in meinem Projekt, in meinem Thema) gibt es keine spannenden Storys.
Frag dich stattdessen mal:
Welche Wissensschätze lagern unter meinem Dach?
Welche kulturell bereichernden, freundschaftschmiedenden, kinderlachenden, visionsfördernden Plaza-Fußballspiele kann ich entfesseln – in meinem Netzwerk, in meinem Business, mit meinem Team?
Welchen Unterschied würde es in meinem Leben machen, wenn ich verschüttete Träume wieder wachkicken könnte?
Vielleicht schaust du mal nach oben, anstatt nach unten?
Die Fußbälle auf dem Kirchendach sind mehr als eine nette Anekdote. Sie zeigen, wie viel kulturelles Gedächtnis und Zukunftspotenzial in ganz gewöhnlichen Orten, Gegenständen und Routinen steckt – solange sich niemand die Mühe macht hinzuschauen.
Wo „Dachboden-Storys“ im Business liegen
In Unternehmen und Organisationen gibt es solche „Dachböden“ überall: in
alten Projektordnern und Protokollen,
Produktresten und Plänen,
Fotos, E-Mail-Archiven oder
in den Köpfen der Menschen, die „schon immer dabei sind“.
Diese Geschichten sind wertvoll, weil sie:
zeigen, was euch wirklich wichtig ist (jenseits von Buzzword-Claims),
Orientierung geben, wenn sich Strukturen ändern,
anderen helfen, euch zu verstehen und Vertrauen zu fassen.
Die Frage ist weniger, ob es diese Storys gibt, sondern: Wie findest du sie?
Narrative Methoden: Vier Wege, eure Story-Schätze zu heben
1. Timeline: Eure Wendepunkte sichtbar machen
Stell dir eine Zeitleiste von der Gründung bis heute vor. Markiere darauf die Momente, in denen sich etwas spürbar verändert hat: Entscheidungen, Krisen, neue Angebote, Wendepunkte.
Vorgehen (vereinfacht):
Zeichne eine simple Timeline (auf Papier, Miro, Whiteboard).
Notiere 5–7 Ereignisse, zu denen du spontan eine kleine Anekdote im Kopf hast.
Frage dich zu jedem Punkt: „Was hat sich vorher/nachher konkret verändert?“
Markiere 1–2 Ereignisse, bei denen du beim Erzählen emotional wirst – dahinter steckt oft eine gute Story.
Diese Timeline ist kein hübsches Poster, sondern eine Einladung, in die Geschichten hinter den Daten einzutauchen. Deshalb solltest du sie auch selbst zeichnen, oder mit deinem Team.
2. Story Circle: Wer war beteiligt – und was stand auf dem Spiel?
Der Story Circle hilft dir, aus Ereignissen echte Narrative zu machen: mit Figuren, Konflikten und Entwicklung, statt nur mit Stichpunkten.
Vorgehen (vereinfacht):
Wähle einen Moment von der Timeline.
Notiere: Wer war beteiligt? Wer hatte welche Rolle (Kundin, Gründer, Team, externe Partner)?
Beschreibe: Was war das Problem oder die Spannung? Was stand für die Beteiligten auf dem Spiel?
Halte fest: Was haben sie getan, ausprobiert, verworfen?
Formuliere: Wie sieht die Situation heute aus – und was hat sich innerlich (Haltung, Verständnis) verändert?
So entsteht Schritt für Schritt eine Story, die zeigt, warum ihr heute so arbeitet, wie ihr arbeitet.
3. Museums-Übung: Gegenstände als Story-Trigger
Alternativ oder zusätzlich zum Story Circle: Stell dir vor, ihr richtet ein kleines Museum zu eurem Unternehmen oder Projekt ein. Welche Gegenstände dürften auf keinen Fall fehlen?
Vorgehen:
Sammle 5–10 Dinge (oder Fotos davon), die für eure Arbeit typisch sind: Werkzeuge, Prototypen, Buchcover, Geräte, Objekte aus dem Alltag.
Lege sie aus wie in einer kleinen Ausstellung.
Für jeden Gegenstand: Schreib eine Mini-Beschriftung, wie in einem Museum:
„Dieser Gegenstand steht für … Er erinnert uns daran, dass …“Frage dich: Welche dieser Mikro-Texte könnte der Anfang einer größeren Story sein, die ihr nach außen erzählen wollt?
Gegenstände sind oft Türöffner zu Erinnerungen, die sonst im Alltag untergehen.
4. Journalistische Recherche: Dein Unternehmen als Recherchefeld (etwas umfangreicher)
Jetzt der Perspektivwechsel: Du bist nicht mehr Gründer:in oder Mitarbeiter:in, sondern Journalistin, neu im Ort oder im Unternehmen. Das geht auch gut mit einer Kleingruppe, die als Team zusammenarbeiten muss.
Deine Aufgabe: Eine gute Story finden, die andere verstehen lässt, was diesen Ort bzw. dieses Unternehmen ausmacht.
Vorgehen:
Rechercheplan erstellen
Welche drei Fragen würdest du klären wollen, um ein Gefühl für „Wesen und Entwicklung“ zu bekommen?
Welche 3–5 Personen wären deine ersten Ansprechpersonen (z.B. langjährige Mitarbeitende, Kund:innen, Partner, ehemalige Mitarbeitende)?
Interviews führen
Stelle offene Fragen wie:
„Erzähle mir von einem Moment, in dem hier etwas Entscheidendes passiert ist.“
„Wann hast du gemerkt, dass sich hier etwas verändert?“
„Gibt es eine Geschichte, die man neuen Leuten hier immer wieder erzählt?“Notiere wörtliche Zitate, Bilder, Metaphern. Genau diese machen Storys später lebendig.
Spuren im Alltag suchen
Gehe mit „Reportage-Blick“ durch Räume, Dateien, Archive: Was fällt dir auf? Welche Fotos hängen an den Wänden? Welche Running Gags gibt es? Welche Rituale?
Halte Beobachtungen fest, ohne sie sofort zu bewerten.
Flugblatt entwerfen
Stell dir vor, du müsstest auf einer Seite (oder einem einseitigen PDF) erklären,
wer ihr seid,
wofür ihr steht,
und welche eine Geschichte das am besten zeigt.
Skizziere ein „Flugblatt“ oder Fact Sheet:
Überschrift (Hook): Worum geht es im Kern?
Kurze Story (5–7 Sätze) mit einem konkreten Beispiel.
3 Bullet Points: Was andere daraus lernen bzw. warum es sie interessieren sollte.
Optional: KI als Sparringspartner nutzen
Wenn du magst, kannst du für diesen Schritt ein KI-Tool verwenden – nicht, um die Story zu „erfinden“, sondern um die Struktur zu schärfen:
Lass dir aus deinen Notizen Version A (Reportage-Stil), Version B (Website-Text) und Version C (LinkedIn-Post) vorschlagen.
Tools wie spezialisierte Schreibassistenten oder Newsletter-Editoren mit KI-Funktion helfen dabei, Varianten zu testen – die inhaltlichen Impulse kommen aber aus deiner Recherche.
Wichtig bleibt: Die Quelle der Story bist du bzw. seid ihr. KI unterstützt beim Sortieren, Verdichten und Visualisieren, nicht beim Erfinden von Erfahrung.
Also: Welche eine Geschichte aus deinem „Dachboden“ – Timeline, Gegenstand, Interview oder Recherche – möchtest du in den nächsten Wochen einmal ausprobieren zu erzählen? Und wer sollte sie als Erstes hören: dein Team, eure Community oder potenzielle Kund:innen?
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Wenn du beim Lesen gemerkt hast, dass bei dir noch einige Story-Bälle auf dem Dach liegen: Heb sie nicht allein. In einer konzeptuellen Beratung oder einem Story-Coaching können wir gemeinsam schauen, welche Geschichten deine Expertise heute wirklich tragen – und wie du sie erzählen kannst, ohne dich in den Vordergrund zu stellen.
Wenn du solche Übungen gern einmal systematisch für dein Business oder dein Team durchspielen möchtest: In meinen Story-Workshops arbeiten wir genau damit – Story-Listening, Timeline, Museums-Übung und journalistische Recherche, angepasst an eure Fragen und Ziele. Buche einfach ein Infogespräch oder schreib eine Mail (auf der Seite Kontakt).
Und falls du dir denkst: „Genau so eine Dachboden-Story steckt auch in meinem Unternehmen, aber ich sehe sie noch nicht klar“ – dann lass uns sprechen. In einem Strategiegespräch können wir schauen, welche nächsten Schritte für dich sinnvoll sind und welches Format dich am besten unterstützt.
👉 Vereinbare hier dein Strategiegespräch im Kalender oder schreib mir direkt eine Mail – ich freue mich auf deine Story.

