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WARUM?

Warum unterscheiden sich Gesellschaften? Warum sind die einen reich und die anderen arm? Wie bewerten wir unsere Vergangenheit? Was sagt uns das für die Zukunft? Forschungsfragen im spannenden Schnittpunkt von Übersee-, Wissens- und Wirtschaftsgeschichte.
 
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Als wir eine Entwicklungsregion waren: Die Anfänge der Globalisierung in Nordwesteuropa

Hungersnöte, Epidemien, Kriege, Entwicklungsnotstand, Massenauswanderung – große Krisen sind unserer Heimatregion nicht fremd. Wir haben daraus gelernt und uns zu der Gesellschaft entwickelt die wir heute sind. Und wir können immer noch mehr aus dieser Entwicklung lernen.

In meiner Forschung habe ich mich gefragt: Welche Auswirkungen hatten die heute als Globalisierung bezeichneten weltweiten Verflechtungen und Austauschprozesse auf gesellschaftliche Entwicklungen? Welche Bedingungen müsssen gegeben sein, damit sich eine Gesellschaft Probleme überwinden und sich entwickeln kann? Und speziell galt mein Interesse der Frage: Welche Rolle spielt das Wissen?

Im Rahmen meines Studiums, der Lehre an der Universität und meiner Promotion habe ich mich unter Anderem mit den Fragen beschäftigt:

  • Welche gesellschaftlichen Auswirkungen hatte der Import von Kaffee und anderen Genussmitteln?
  • Waren die Aufklärung und der “moderne” Umgang mit Wissen in Nordwesteuropa eine Triebkraft der Industrialisierung?
  • Waren die ersten Enzyklopädien Massenmedien?
  • Wieviel “Wahrheit” steckt in Reiseberichten und waren sie Agenten der Globalisierung?
  • Welche Rolle spielte das Know-how der deutschen Auswanderer in die Amerikas?
  • Welche Entwicklungen haben zur Entstehung der modernen digitalisierten Wissensgesellschaft beigetragen?

Studiert, geforscht und gelehrt habe ich in Heidelberg, Hamburg und Göttingen und promoviert am Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Leipzig mit einem Stipendium der Friedrich-Naumann-Stiftung und einem Gastjahr an der Columbia University in New York City. Dazu habe ich in europäischen und amerikanischen Archiven mit Quellen gearbeitet. Reisen in Georgia und South Carolina haben mich an die Originalschauplätze, die Plantagen der Indigoproduktion geführt.

Buch

Warum ging die Industrialisierung nicht von Indien aus? Eine Studie über das nordwesteuropäische Verhältnis zum Wissen

Anja Timmermann Buch IndigoMein Buch “Indigo. Die Analyse eines überseeischen Wissensbestandes im 18. Jahrhundert” ist ein Beitrag zur Diskussion über den Zusammenhang zwischen dem europäischen Austausch mit Übersee und der beginnenden Industrialisierung in Nordwesteuropa im 18. Jahrhundert. Warum kamen die ersten global nachgefragten industriell gefertigten Massenprodukte (farbige Kattunstoffe) von hier und nicht aus Indien?Timmermann Indigo Buch

Timmermann IndigoproduktionIm Zentrum meiner Studie steht der zentrale Farbstoff dieser Entwicklung – eine der begehrtesten außereuropäischen Handelswaren: der Blaufarbstoff Indigo. Die Untersuchung basiert auf einer Auswertung der Enzyklopädien als den “Massenmedien” der Zeit. Welchen Einfluss hatten das neue Wissen aus Übersee auf die wirtschaftliche Entwicklung? Meine Antwort: Eine Grundvoraussetzung für die besondere Rolle Nordwesteuropas in der Welt in der Phase der Industrialisierung war nicht nur das mit dem außereuropäischen Handel neu importierte Wissen, sondern das Zusammenspiel mit dem veränderten Umgang mit Wissen nach der Aufklärung. Entwicklungen wie der Buchdruck und die Entstehung der modernen Wissenschaften sowie allgemein die Auffassung, Wissen sei ein öffentliches Gut, bildeten hier in Nordwesteuropa den passenden Nährboden für wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung. Diese als “gut” oder “böse” zu bewerten gehört im Übrigen nicht zu meinem Berufsbild als Wirtschaftshistorikerin. Dies steht den Philosophen zu, und eine Bewertung geschieht ohnehin immer wieder neu aus ihrer eigenen Zeit heraus. Meine Aufgabe war es, verschiedene Aspekte von Wissen als Faktoren für Entwicklung herauszuarbeiten. Der ebenso für die Industrialisierung zentrale wie seltene und in der Gewinnung wie Anwendung kapriziöse Naturfarbstoff Indigo erwies sich als gewinnbringedes Studienobjekt. An diesem Wissensbestand zeigt sich unmittelbar der damals weltweit einzigartige Umgang mit Wissen in den nordwesteuropäischen Regionen.

Weitere Veröffentlichungen

Artikel „Baumwolle“, in: Hermann Hiery (Hrsg.) et al., Lexikon für Überseegeschichte.

Artikel „Farbstoffe“, in: Hermann Hiery (Hrsg.) et al., Lexikon für Überseegeschichte.

Kaufmännisches Wissen über Kolonialwaren am Beginn der industriellen Entwicklung Europas. Das Beispiel des überseeischen Farbstoffs Indigo, in: Jahrbuch für Europäische Überseegeschichte 6 (2006), S. 157-163.

Rezension zu Ursula Heimann: Liberalismus, ethnische Vielfalt und Nation. Zum Wandel des Indio-Begriffs in der liberalen Presse in Mexiko, 1821-1876, in: Jahrbuch für Europäische Überseegeschichte 6 (2006), S. 299-301.

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mail@anjatimmermann.de
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