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Von Menschen und Medien

#1: Die Geschichte von Wilbert Olinde

 

Medium: Buch
Titel: „Deutschland für eine Saison. Die Wahre Geschichte des Wilbert Olinde.“
Story: 1977 kommt der Highschool-Basketballer aus Südkalifornien nach Göttingen, um den Platz des „Ausländers“ bei der jungen Mannschaft des heutigen ASC zu besetzen. Er ist für eine Saison gebucht und nicht alles läuft rosig, aber er entscheidet sich zu bleiben.
Bemerkenswert: Der spannende Lebensweg Wilberts hat ihn nach Hamburg geführt, wo er jetzt als selbstständiger Coach lebt – und ich habe ihn getroffen.
Quelle: http://www.suhrkamp.de/buecher/deutschland_fuer_eine_saison-christoph_ribbat_42772.html#

 

Was für ein Start ins Jahr 2018! Am Morgen des 25. Dezember habe ich dieses Buch von meinem Mann zu Weihnachten geschenkt bekommen. Beim Lesen des Titels („Deutschland für eine Saison. Die Wahre Geschichte des Wilbert Olinde“) kam mir sofort ein Bild in Erinnerung: Irgendwann in den frühen 80ern muss es gewesen sein. Ich stehe als kleines Mädchen in der Godehardhalle in meiner Heimatstadt Göttingen und blicke zu einem turmhohen schwarzen Basketballer auf, der mir Korbwürfe zeigt. Dieser ist unglaublich positiv eingestellt und geht mit Seelenruhe davon aus, dass ich ganz bald meinen ersten Korb werfe. Als ich dann am Ende des Buches erfahren habe dass Wilbert inzwischen Coach ist habe ich beschlossen ihn zu treffen. Und das habe ich getan. Das ist meine Story des Jahres 2018 und mein erster Blogeintrag: ein Mensch, seine Story und was ein Buch bewirken kann.

 

Eine transatlantische Kulturstudie – mit dem Zentrum Göttingen

 

Danke Wilbert für diesen Einblick in dein Leben. Dass du deine Gedanken über die Begebenheiten und Begegnungen über alle diese Jahre festgehalten hast, das bildet für uns – und für dich vermutlich auch – einen unbezahlbaren Schatz. Ich hoffe es gibt noch mehr davon und du lässt uns auch daran teilhaben. Und danke Christoph Ribbat für diese Kulturstudie aus meiner Heimatstadt Göttingen. Die Reise durch die Göttinger Szene (das Altdeutsche, das Blue Note, die Affenbar) und fast vergessene Orte meiner Kindheit (das Töpferdorf Fredelsloh) hat längst verschollen geglaubte Bilder meiner Kindheit wieder zutage gefördert. Danke auch für die Rekonstruktion der Familiengeschichte in den Südstaaten, die sich für mich, die für ihre Doktorarbeit die Indigoplantagen und Archive der Südstaaten besucht hat, wie eben eine dieser Geschichten liest, die ich selbst gern schreiben würde. Damals haben wir in Atlanta, der Stadt von Martin Luther King, die Wahl Obamas miterlebt. Faszinierend und vielschichtig ist in dem Buch allein die Episode, wie der Name Olinde durch die französische (Louisiana!) Aussprache des Erkennungsmerkmals eines Einwanderers aus Europa (Peterson dit Olinde / l’holande) entstanden ist. Oder wie die Rassentrennung in einer Phase bereits gelockert wurde (da gab es dann eine Großfamilie Olinde) und dann wieder verschärft. Da gab es dann die weißen und die schwarzen Olindes. Wilberts Familie gehörte zu den schwarzen Olindes, mit den entsprechenden Konsequenzen.

 

Was ist das Thema?

 

Was ist jetzt eigentlich die Geschichte? Auf den ersten Blick ist es eine Biografie und das ist aus meiner Sicht erst einmal gar nicht gleichbedeutend mit einer Geschichte. Eben nur etwas einfach so „Geschehenes“. Eine „Story“ wird es für mich erst dann, wenn es sich um ein Problem und dessen Lösung dreht, und um die Veränderung eines Systems (im Falle einer Heldengeschichte) zum Positiven durch die Courage und die Taten eines Einzelnen. So gesehen ist Wilberts Lebensgeschichte auf jeden Fall eine “Big Story”, denn am Start sowohl in Lousiana als auch dann 1977 in Deutschland lagen viele Hindernisse im Weg und die Voraussetzungen sahen gar nicht rosig aus. Und dann haben entlang seines Weges unzählige Menschen von seiner Geschichte und positiven Ausstrahlung profitiert. Und Wilbert ist vom „Ausländer“, der für ein Jahr in ein fremdes Land kam mit einem Auftrag der kaum zu erfüllen war zum Familienvater und Gestalter seines Lebens geworden. Nun zeichnen sich Big Stories eben dadurch aus, dass sie noch eine Lehre haben. Aber was ist das Thema, was die Lehre in diesem Buch? Ein anderer Leser, mit dem ich mich darüber unterhalten habe, sagte, für ihn sei das wichtigste Thema darin der Rassissmus. Andere erkennen darin das Thema echter Freundschaft, auch zwischen Kulturen.

 

Es geht um den Weg, sagt Wilbert

 

Ein Thema, dass sich mir bei Biografien ja immer aufdrängt ist der Weg. Mit seiner unbeirrbaren positiven Art ist Wilbert immer einfach Schritt für Schritt diesen Weg gegangen, der ihn sein jetziges Leben geführt hat. Nie hätte er oder jemand anderes voraussagen können wo er in 10 Jahren steht, es war jedesmal eine völlig überraschende Veränderung. Wie ging das, und vor allem: warum? Ich habe Wilbert gefragt, was für ihn das durchscheinende Thema des Buches ist und er sagt: „Es ist der Umgang mit den Unebenheiten des Lebens. Entscheidungen zu treffen, von denen uns in diesem Moment noch gar nicht klar ist, wohin sie uns führen werden. Einfach den ersten Schritt machen und geduldig weiter den Weg gehen. Dafür ist es nötig, Vertrauen zu haben, dass mich meine Intuition in die für mich richtige Richtung leitet. Und die Zweifel, Ängste und Sorgen genau so anzunehmen und loszulassen wie die Vorfreude und Erwartungen!“

 

Meine Big Story des Jahres 2018

 

Für mich war es schließlich ein Buch zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort, das meinen Start in dieses Jahr mit einer besonderen Energie versehen hat. Die Geschichte hat viel ausgelöst: es hat Erinnerungen an meine Kindheit und Heimatstadt wachgerufen und dass ich Wilbert, der auch Coach ist, hier in Hamburg getroffen habe, hat mich wiederum in meinem Weg des Coachings bestärkt. Und es hat mir ein Ziel, das ich für einige Jahre aus den Augen verloren hatte, wieder auf den Plan gerufen. Bei unserem Treffen fragte mich Wilbert was mein Traum sei. Eigentlich ist das ja trainieren und coachen, aber das tue ich jetzt ja schon. Und dann habe ich spontan gesagt: wieder schreiben. Aber jetzt keine wissenschaftlichen Bücher mehr, sondern Reportagen, Dokumentationen und Geschichten aus dem echten Leben, die uns berühren und anderen Menschen näherbringen. Auch wenn diese in entfernten Regionen leben. Und deswegen gibt es jetzt dieses Blog: Es ist mein erster Schritt auf dem Weg, Geschichten davon zu schreiben, wie Menschen und ihr Wissen durch Medien zusammenkommen und positive Veränderungen bewirken können.

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